Forschergruppe 751: The Science of Social Stress
Die Forschergruppe wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Jahr 2006 für drei Jahre gegründet und im Jahre 2009 um drei Jahre verlängert.
Moderne Gesellschaften verlangen den Menschen eine andauernde Anpassung an sich ändernde soziale Stressoren ab. Neue Formen von sozial bedingter allostatischer Belastung reichen von der Informationsaufnahme bis zu Unsicherheit und selbst Ängstlichkeit und traumatischem Stress, die auch aus neuen Kriegen und Terrorismus folgen. Chronischer oder massiver Stress verändern sowohl den Geist und die Struktur und Funktionalität des Gehirns als auch das Gedächtnissystem. Dies geht einher mit konsequenten Veränderungen in der dynamischen Interaktion von Individuen mit ihrem kulturellen Umfeld, inklusive der Anpassung an sozialen Stress. Die kollektiven Langzeiteffekte von Stressoren könnten, selbst wenn sie vorübergehend sind, Veränderungen in der Art und Weise der Verarbeitung im Gehirn erzeugen, die wiederum in charakteristischen psychologischen, behavioralen und physiologischen Reaktionen münden könnten, die als 'Maladaptation' an Umgebungsbedingungen betrachtet werden können.
Das Ziel der Forschergruppe ist die Erstellung eines dynamischen Interfaces zwischen Allostasis, Geist, Gehirn und Körper. Unter Einbeziehung der Perspektive des biosozialen Ko-Konstruktivismus mit seiner plastischen Adaptation als Impuls für ein neue paradigmatische Entwicklung wollen wir erforschen, wie soziale Stressoren und vergleichbare Lernbedingungen die Struktur und Funktion der hoch vernetzten menschlichen Soft- und Hardware, d.h. Geist und Gehirn/Körper, in ihrer Anpassung an soziokulturelle Bedingungen gestalten.
Diese Forschergruppe ist als eine interdisziplinäre Forschungsinitiative geplant, in der die jeweils eigenen Konzepte und Methoden und frühere Forschung im Bereich der funktionellen Gehirnplastizität und Psychoneuro-Immunologie unter Anschauung von Gefühlen als Aktivitäts-Dispositionen mit denen der affektiven Neurowissenschaft verknüpft werden. Weiterhin werden emotionale und motivationale Aspekte menschlichen Verhaltens unter Zuhilfenahme von Konzepten und Methoden der Sozialen und Angewandten Psychologie erforscht.
Projekte
Projekt A1: Reacting to the unpleasant: Dynamics of the human defence cascade (PD Dr. Andreas Keil, University of Florida, NIMH Center for the Study of Emotion and Attention.
Projekt A2: Social stress and affective information processing: a neuroscience perspective (Prof. Dr. Harald Schupp, Universität Konstanz; Dr. Markus Junghöfer, Universität Münster.
Projekt A5: Psychosocial stress and memory control (Junior-Prof. Dr. Johanna Kissler, Universität Konstanz).
Projekt B1: The influence of social stress on the T cell response to viral infection (Prof. Dr. Marcus Groettrup, Universität Konstanz/Fachbereich Biologie, zusammen mit Dr. Harald Engler, Universität Duisburg-Essen).
Projekt B2: Stress by acute inflammation in humans: Effects on brain activity, neuropsychological performance and social behavior (Profs. Drs. Manfred Schedlowski, University of Duisburg-Essen; Jörg-Reiner Overbeck & Elke Gizewski, University Hospital Essen).
Projekt B4: Neural network architecture under conditions of traumatic and post-traumatic stress (Prof. Dr. Thomas Elbert, Dr. Maggie Schauer, Universität Konstanz).
Projekt B5: Social stress, allostatic load and psychopathology (Prof. Dr. Brigitte Rockstroh, Universität Konstanz).
Projekt B6: Change of neural network indicators through Narrative Treatment of PTSD in torture victims (Prof. Dr. Frank Neuner, Universität Bielefeld).


