19.30 - 21.00 Uhr

PD Dr. Frauke Schultze-Lutter, Universität Bern

Prävention von Psychosen: Die Entwicklung erster europäischer Empfehlungen für die klinische Praxis

Psychosen zählen zu den kostenträchtigsten Erkrankungen mit gravierenden Behinderungsfolgen, insbesondere bei Erstmanifestation im Kindes- und Jugendalter und verzögerter Behandlungsaufnahme. Seit den 1990er Jahren wurden daher Anstrengungen unternommen, die Behandlung frühzeitiger zu initiieren, wenn möglich vor der Erstmanifestation. Für die symptomatische Früherkennung wurden zwei alternative Ansätze verfolgt: der 'ultra-high risk' (UHR) Ansatz, der hauptsächlich auf abgeschwächten psychotischen und schizotypischen Symptomen beruht, und der Basissymptom-Ansatz, der vorwiegend auf feinen selbst wahrgenommenen Störungen in Denkprozessen basiert. Basierend auf den in den letzten 20 Jahren gesammelten Befunden wurdem im Februar 2015 im Rahmen des 'Guidance' Projekts der European Psychiatric Association nun erstmals detaillierte klinische Empfehlungen für die Früherkennung und die Frühbehandlung (phramakologisch und psychotherapeutisch) von Psychosen vorgelegt, die auch entwicklungsspezifischen Besonderheiten Rechnung tragen. Dies soll im Vortrag vorgestellt und kritisch diskutiert werden.

Sonderveranstaltung

in Kooperation mit der Integrationsbeauftragten der Stadt Konstanz, Frau Elke Cybulla, und der Integrationsbeauftragen des Landkreises Konstanz, Frau Natascha Garvin

 19.00 - 21.15 Uhr (bitte geänderte Uhrzeit beachten)

Ambulante Psychotherapie bei Flüchtlingen – inhaltliche und organisatorische Aspekte
 

Die hohe Zahl der in den letzten Monaten nach Deutschland eingereisten Flüchtlinge wird dazu führen, dass immer mehr PatientInnen aus dieser Gruppe bei niedergelassenen PsychotherapeutInnen um Behandlung (z.B. Traumatherapie) ersuchen. Jedoch bestehen bei Niedergelassenen erhebliche inhaltliche und organisatorische Unsicherheiten bei der Durchführung solcher Behandlungen, z. B. die Abrechnung nach dem
Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG), die Einbeziehung von Sprachmittlern und wie Traumata adäquat bearbeitet werden können.
Diese Veranstaltung dient dazu, niedergelassenen PsychotherapeutInnen eine Orientierung in wichtigen Fragen zu geben. Dazu haben wir mehrere ExpertInnen angefragt, die zunächst in Kurzstatements informieren. Anschließend werden sie in einer moderierten Diskussionsrunde Fragen aus dem Auditorium beantworten. Dabei sollen auch die spezifischen Herausforderungen von niedergelassenen PsychotherapeutInnen bei der Versorgung von AsylbewerberInnen herausgearbeitet und konstruktive Vorschläge zur Erleichterung ihrer Behandlung in ambulanten Psychotherapiepraxen entwickelt werden.


Vertreter der KV-BW, Stuttgart: Psychotherapie bei Asylbewerbern
Vertreter des Landratsamts Konstanz: Beantragung und Abrechnung von Psychotherapie nach dem AsylbLG
Vertreter Gesundheitsamt im Landkreis Konstanz: Begutachtung von Psychotherapieanträgen bei Asylbewerbern nach dem AsylbLG
Frau Dr. Schauer, Universität Konstanz: Traumadiagnostik und -therapie bei Flüchtlingen
Frau Widmann, Koordinatorin, ehrenamtliche Sprachmittler im Landkreis KN: Sprachmittlung in Psychotherapie


Moderation: Dr. Michael Odenwald, Leiter Hochschulambulanz, Universität Konstanz
Fortbildungspunkte der Landespsychotherapeutenkammer werden beantragt.

19.30 - 21.00 Uhr

Prof. Dr. Isabel Dziobek, HU Berlin

Psychotherapeutische Behandlung von Erwachsenen mit Autismus und Asperger Syndrom

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), dazu gehören das Asperger-Syndrom und der Autismus ohne Intelligenzminderung, sind mit einer Prävalenz von 1% sehr viel häufiger als lange angenommen. Die psychotherapeutische Versorgung dieser Menschen ist in Deutschland jedoch unzureichend realisiert. Auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse zur Ätiologie und neurokognitiven Funktionen und unter Berücksichtigung der besonderen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung von Menschen aus dem Autismus-Spektrum werden in diesem Vortrag Erkenntnisse zur psychotherapeutischen Behandlung von ASS im Erwachsenenalter dargestellt.

19.30 - 21.00 Uhr

Prof. Dr. Elisabeth Schramm, Universität Freiburg

Von störungsspezifischen zu modularen Verfahren: Neue Entwicklung in der Psychotherapie affektiver Störungen

Derzeit erfahren störungsspezifische Ansätze einen Wandel in Richtung eines modularen Organisationsprinzips. Dieses Prinzip bietet angesichts der überwiegenden Anzahl komorbid und komplex gestörter Patienten höhere Flexibilität, individuell auf spezifische Mechanismen einzugehen (z.B. mangelnde Empathie, Emotionsregulation, frühe Beziehungstraumatisierungen).

Evidenzbasierte störungsspezifische Verfahren wie das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) und die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) gehören heute zum 'State of the Art' der Depressionsbehandlung und werden in der S3-Leitlinie empfohlen. Sie sind bereits in Modulen aufgebaut. Beim CBASP setzen beispielsweise interpersonelle Lernmodule (z.B. Diskriminationslernen) an frühen missbräuchlichen Beziehungserfahrungen an, um mit Hilfe von Expositionstechniken hartnäckige Vermeidungsmuster zu überwinden. Module aus der IPT, wie der flexible Umgang mit Lebensveränderungen, stellen ein weiteres Beispiel dar.

Im Rahmen eines stationären, modular aufgebauten Gruppenkonzeptes für komorbide, depressive Patienten werden erste Ergebnisse zur Durchführbarkeit, Akzeptanz und Effektivität vorgestellt.