Projekte AG Mier

Empathie und Emotionsregulation bei Patienten im Maßregelvollzug

Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Person wenig Empathie für ihr Opfer empfindet, wenn sie ihm Gewalt antut und auch, dass der Täter in diesem Moment seine Emotionen nur schlecht regulieren kann. Diese Annahmen sind auch Grundlage einiger Therapiekonzepte für die Behandlung im Maßregelvollzug. Auch wenn es im Bereich der Psychopathie Hinweise auf Veränderungen in der sozialen Kognition gibt (Mier et al., 2014), fehlen bislang experimentelle Studien, die Belege für diese Annahmen liefern können noch weitesgehend und auch an Studien, die den Behandlungserfolg im Maßregelvollzug experimentell erheben. In einem Kooperationsprojekt mit Jan Bulla, dem Leiter der Forensischen Klinik des ZfP Reichenau, untersuchen wir Empathie und Emotionregulation sowohl mittels Fragebögen als auch mittels experimentellen Paradigmen in einer Querschnittsuntersuchung der Patienten und in einer Verlaufserhebung.

Diese Studie ist bei OSF prä-registriert: https://osf.io/x5jep/

Sie wollen uns bei Diesem Projekt unterstützen? Dann klicken sie hier

Schlagworte: Forensik, Psychopathie, Gewalt, Impulsivität, Alexithymie, Empathie, Emotionsregulation, Therapie

Literatur:

Mier, D., Haddad, L., Diers, K., Dressing, H., Meyer-Lindenberg, A., & Kirsch, P. (2014). Reduced embodied simulation in psychopathy. World J Biol Psychiatry, 15(6), 479-487. doi:10.3109/15622975.2014.902541

Risikowahrnehmung und riskantes Verhalten bei Alkoholkonsumstörung und Schizophrenie: Einblick in dynamische Veränderungen

Bei verschiedenen Patientengruppen kommt es zu riskantem Verhalten, das sowohl die psychische als auch die physische Gesundheit beeinträchtigen kann. Unser Ziel ist es zum einen die Dynamik des Risikoverhaltens störungsübergreifend und multimodal zu untersuchen und zum anderen die Veränderbarkeit von Risikoverhalten zu untersuchen. In der ersten Förderperiode des Projekts (PIs: Brigitte Rockstroh, Michael Odenwald) konnten mittels EEG sowie mittels Fragebogen erste Hinweise in die abweichende Dynamik der Feedbackverarbeitung bei Patienten mit Alkoholkonsumstörung gewonnen werden (Klepper et al., 2017, Sehrig et al., 2019). In der zweiten Förderperiode (PIs: Daniela Mier, Michael Odenwald, Brigitte Rockstroh) werden Patienten mit Schizophrenie, Patienten mit Alkoholkonsumstörung, Patienten, bei denen diese Erkrankungen komorbid auftreten und gesunde Kontrollprobanden mittels fMRT erhoben und eine ambulante smartphone-basierte Intervention durchgeführt.

Schlagworte: Schizophrenie, Alkoholkonsumstörung, Risikowahrnehmung, Risikoverhalten, BART, EMA, smartphobe-basierte Intervention, nucleus accumbens, fMRT

Literatur

Sehrig, S., Odenwald, M. & Rockstroh, B. (in press). Feedback-related brain potentials indicate the influence of craving on decision-making in patients with Alcohol Use Disorder: An experimental study. European Addiction Research, published online, December 8, 2020. https://doi.org/10.1159/000511417

Sehrig, S., Odenwald, M., Sehrig, S., Haffke, P., Rockstroh, B., Pereyra-Kröll, D., Menning, H., Wieber, F., Volken, T. & Rösner, S. (2020). Therapeutic success in relapse prevention of alcohol use disorder: the role of treatment motivation and drinking-related treatment goal. Journal of Addictive Diseases, 39(1), 88-95. doi.org/10.1080/10550887.2020.1820810

Büchele, N., Keller, L., Zeller, A.C., Schrietter, F., Treiber, J., Gollwitzer, P.M. & Odenwald, M. (2020). The effects of pre-intervention mindset induction on a brief intervention to increase risk perception and reduce alcohol use among university students: A pilot randomized controlled trial. PLOS ONE, 15(9): e0238833. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0238833

Klepper, S., Odenwald, M., Rosner, S., Senn, S., Menning, H., Pereyra-Kroll, D., & Rockstroh, B. (2017). Experience-Induced Change of Alcohol-Related Risk Perception in Patients with Alcohol Use Disorders. Front Psychol, 8, 1967. doi:10.3389/fpsyg.2017.01967

Sehrig, S., Weiss, A., Miller, G. A., & Rockstroh, B. (2019). Decision- and feedback-related brain potentials reveal risk processing mechanisms in patients with alcohol use disorder. Psychophysiology, 56(12), e13450. doi:10.1111/psyp.13450

Interventionsstudie zur Wirksamkeit der KIDNET als Behandlung für geflüchtete Minderjährige mit Traumafolgestörungen

In Deutschland leben aktuell ca. 1,2 Millionen Geflüchtete, von denen ca. 25% aufgrund von traumatischen Erfahrungen im Herkunftsland, auf der Flucht oder im Aufnahmeland professioneller psychotherapeutische Hilfe bedürfen.

Die Integration insbesondere von geflüchteten Kindern und Jugendlichen gilt als große gesellschaftliche Herausforderung in Deutschland. Kinder können infolge von Kriegserfahrungen unter psychischen Störungen oder Traumafolgestörungen, wie zum Beispiel der Posttraumatischen Belastungsstörung, leiden, was zu mangelnder Lebensqualität und Schwierigkeiten in der Integration führen kann. Es besteht jedoch das Problem, dass das deutsche Gesundheitssystem nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von geflüchteten Kindern vorbereitet ist.

Die Interventionsstudie YOURTREAT ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Multicenter-Projekt, das von Wissenschaftlern der Universität Bielefeld (Frank Neuner und Claudia Catani) ins Leben gerufen wurde. In YOURTREAT führen vier Studienzentren in Deutschland (Universität Bielefeld, Universität Eichstätt, Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf, Universität Konstanz) eine Randomisiert-Kontrollierte Interventionsstudie zur Wirksamkeit der KIDNET (Narrative Expositionstherapie für Kinder) bei geflüchteten Minderjährigen im Alter von 10 bis 18 Jahren mit Posttraumatischer Belastungsstörung durch (Wilker et al., 2020). PIs in Konstanz sind Michael Odenwald, Anselm Crombach und Daniela Mier. Die Rekrutierung der Studienteilnehmer*innen erfolgt in den Schulen des Landkreises Konstanz.

Mehr Information von und Fragen zur Anmeldung bei Sabrina-Barbara Müller, sabrina-barbara.mueller@uni-konstanz.de.

Links:

YourHealth Consortium Page:

https://www.uni-bielefeld.de/psychologie/abteilung/arbeitseinheiten/11/YOURHEALTH/index

YourTreat Webpage:

https://www.uni-bielefeld.de/psychologie/abteilung/arbeitseinheiten/11/YOURHEALTH/subproject2/yourtreat 

Schlagworte: PTSD, Geflüchtete, Kinder, Narrative Expositionstherapie (NET)

Veröffentlichungen:

Wilker, S., Catani, C., Wittmann, J., Preusse, M., Schmidt, T., May, T., Ertl, V., Doering, B., Rosner, R., Zindler, A. & Neuner, F. (2020). The efficacy of Narrative Exposure Therapy for Children (KIDNET) as a treatment for traumatized young refugees versus treatment as usual: study protocol for a multi-center randomized controlled trial (YOURTREAT). Trials, 21:185. Doi: 10.1186/s13063-020-4127-4

Modellprojekt zur Integration von psychisch belasteten Geflüchteten in die psychotherapeutische Regelversorgung

In Deutschland leben aktuell ca. 1,2 Millionen Geflüchtete. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina schätzt, dass 25% von Ihnen eine professionelle psychotherapeutische Behandlung benötigen. Es bestehen jedoch deutliche Zugangsbarrieren zum krankenkassenfinanzierten Regelversorgungssystem, die über die fehlende Finanzierung von Sprachmittlung weit hinaus gehen.

In einem Modellprojekt, das in enger Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation vivo international e.V. (www.vivo.org) durchgeführt wird, wurde daher seit 2017 ein neues Versorgungsmodell, die koordinierte psychotherapeutische Behandlung unter Einbeziehung von Peers, auf kommunaler Ebene aufgebaut und erprobt. Das Projekt erhielt seither Unterstützung durch die Hertie-Stiftung, den Landkreis Konstanz, die Städte Konstanz, Singen und Radolfzell sowie von zahlreichen anderen Spendern.

Mit Hilfe der Förderung vom Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU (AMIF) und des Landkreises Konstanz wird das Modellprojekt 2020 – 2022 in größerem Umfang implementiert und in mehreren Studien evaluiert (PIs Daniela Mier und Michael Odenwald).  

Schlagworte: Versorgungsforschung, Geflüchtete, Zugangsbarrieren

Literatur:

Adorjan, K., Kluge, U., Heinz, A., Stamm, T., Odenwald, M., Dohrmann, K., Mokhtari-Nejad, R., Hasan, A., Schulze, T.G., Falkai, P. & Pogarell, O. (2017). Versorgungsmodelle für traumatisierte Flüchtlinge in Deutschland. Nervenarzt, 88(9), 989 – 994.

Der Effekt negativer affektiver Kontextinformation auf und der Zusammenhang zwischen Entscheidungsfindung und Emotionserkennung bei Schizophrenie und Borderline Persönlichkeitsstörung

Sowohl Patienten mit Schizophrenie als auch Patienten mit Borderline Persönlichkeitsstörung zeigen Veränderungen in der sozialen Wahrnehmung, insbesondere einen negativen Bias in der Emotionserkennung (Fenske et al., 2015; Mier et al., 2014). In diesem Projekt untersuchen wir a) den Einfluss negativer Kontextinformation in einem affektiven Priming Experiment und b) wie sich Entscheidungsfindung während der Emotionserkennung auswirkt (Schmidt et al., 2019). Dabei erfassen wir die Gehirnaktivierung mittels fMRT, um die Mechanismen besser verstehen zu lernen.

Schlagworte: Schizophrenie, Borderline Persönlichkeitsstörung, Emotionserkennung, soziale Kognition, affektives Priming, probabilistisches Entscheiden, amygdala, nucleus accumbens, fMRI

Literatur:

Mier, D., Lis, S., Zygrodnik, K., Sauer, C., Ulferts, J., Gallhofer, B., & Kirsch, P. (2014). Evidence for altered amygdala activation in schizophrenia in an adaptive emotion recognition task. Psychiatry Res, 221(3), 195-203. doi:10.1016/j.pscychresns.2013.12.001

Fenske, S., Lis, S., Liebke, L., Niedtfeld, I., Kirsch, P., & Mier, D. (2015). Emotion recognition in borderline personality disorder: effects of emotional information on negative bias. Borderline Personal Disord Emot Dysregul, 2, 10. doi:10.1186/s40479-015-0031-z

Schmidt, S. N. L., Fenske, S. C., Kirsch, P., & Mier, D. (2019). Nucleus accumbens activation is linked to salience in social decision making. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci, 269(6), 701-712. doi:10.1007/s00406-018-0947-6

Wie Kultur unser Gehirn beeinflusst: Neuronale Korrelate kultureller Unterschiede in der sozialen Kognition

In times of globalization and increasing intercultural exchange, social understanding between cultures gains tremendously in importance. Recent studies, however, showed that people are better in understanding emotions and mental states of people from their own than from another culture. This effect has been called intracultural advantage, but little is known about its neuronal basis. Since the mirror neuron system (MNS) has been proposed as the biological substrate of social cognition and interpersonal understanding (Pineda, 2009), it might also be sensitive to cultural differences. With the emergence and development of cultural neuroscience (CN), a new perspective and approach to systematically understand differences in MNS activity between cultures is feasible (Han et al., 2013). Although recent cultural neuroscience studies have provided increasing evidence on cultural differences in neural correlates of cognition and behavior (Han and Ma, 2014; Kim and Sasaki, 2014; Wajman et al., 2015), evidence on cultural differences in the MNS response remains extremely limited.

The purpose of our project is to explore cultural differences in MNS responsivity with a new approach: CN. Specifically, we will study cultural differences in the response profiles of the MNS during social-cognitive and social-emotional processing. To this end, we will investigate the neural basis of imitation, as well as empathy for basic and social emotions, in two different cultures: individualism (Germany) and collectivism (China). Further, we will study the effect of social learning on cultural differences in social cognition with a cross-sectional approach by comparing participants from China and Germany who live abroad with those who never lived abroad.

Keywords: Culture, Individualism, Collectivism, Empathy, Imitation, fMRI