Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Studierende,

in unserer Ringvorlesung wollen wir im Wintersemester 2016/17 schulenübergreifend Neues im Bereich Psychotherapie präsentieren.

Prof. Benecke aus Kassel wird uns die aktuelle Evidenzlage der psychodynamischen und psychoanalytischen Ansätze vorstellen. Frau Dr. Külz aus Freiburg stellt die Acceptance and Commitment Therapy (ACT) vor und erläutert die Praxis am Beispiel der Zwangsstörungen. Herr Dr. Wölfling aus Mainz wird uns das recht junge Konzept der Internetsucht und die existierenden Therapieansätze vorstellen. Wir hoffen, unser Programm stößt auf Ihr Interesse und freuen uns auf spannende Beiträge und Diskussionen. Dr. Michael Odenwald / Miriam Adam / Anne Schawohl

01.12.201619.01.201726.01.2017

Prof. Dr. Cord Benecke, Universität Kassel

 

Wirksamkeit psychoanalytischer Psychotherapien? Mythen und aktuelle Befunde

 

Psychoanalytisch begründete Psychotherapien gelten vielfach als nicht oder kaum evidenzbasiert. Von Vertretern dieser Verfahren wurde die Angemessenheit empirischer Wirksamkeitsforschung für diese Behandlungsformen häufig grundsätzlich in Frage gestellt. Im Vortrag wird auf diese Sichtweise eingegangen und kritisch hinterfragt. Sodann wird der Stand der empirischen Forschung zur Wirksamkeit psychoanalytischer Psychotherapien dargestellt. Dabei zeigt sich, dass die Befundlage bzgl. kürzerer Psychodynamischer Psychotherapien überraschend positiv ist, dass aber für psychoanalytische Langzeitbehandlungen nur sehr wenige Studien vorliegen. Es werden erste Zwischenergebnisse aus zwei laufenden Studien zur Untersuchung der Wirksamkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit psychoanalytischer Langzeitbehandlungen (DPG-Praxisstudie, APS-Studie) vorgestellt. Zudem wird auf aktuelle Befunde der Psychotherapieprozessforschung eingegangen, denen zufolge psychodynamische "Techniken" auch in anderen Behandlungsformen häufig eingesetzt werden und mit positiven Therapieergebnissen zusammenhängen.

Dr. Anne Katrin Külz, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Freiburg i.B.

 

 

Akzeptanz-und-Commitment-Therapie (ACT) - Grundlagen und Anwendung am Beispiel der Zwangserkrankung

 

In den letzten Jahren gewann die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) als eine Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie zunehmend Bedeutung in der Behandlung psychischer Erkrankungen; erste randomisiert kontrollierte Studien zeigen ermutigende Ergebnisse.  Bei ACT liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung einer offenen, akzeptierenden Haltung auch gegenüber schwierigen Gedanken und Gefühlen bei gleichzeitiger Klärung persönlicher Werte und Ziele sowie dem Aufbau wertorientierten Handelns. Dabei gelangen sowohl Elemente aus der Achtsamkeitstradition als auch verhaltenstherapeutische Strategien zum Einsatz. Die Vorlesung vermittelt einen Einblick in das Modell und die sechs Kernprozesse von ACT und verdeutlicht die Anwendung exemplarisch anhand der Behandlung von Zwangserkrankungen mithilfe konkreter Praxisbeispiele.  Da bislang nur etwa zwei Drittel aller Patienten mit Zwangsstörungen von kognitiver Verhaltenstherapie mit Exposition profitieren, erscheint die Entwicklung ergänzender oder alternativer Therapieansätze besonders relevant.

 

Dr. Klaus Wölfling, Universität Mainz Psychologische Leitung - Ambulanz für Spielsucht

 

Nicht ohne meinen PC – krankhaft abhängig vom Bildschirm!

 

Verhaltenssüchte, wie z.B. die Glücksspiel-, Computerspiel- oder Internetsucht stehen zunehmend  im Fokus des öffentlichen Interesses. Im Jahr 2013 wurde eine neue Diagnose, die „Internet Gaming Disorder“ folgerichtig in das  internationale Klassifikationssystem psychischer Erkrankungen, das DSM-5, aufgenommen. 

Internetsüchtige sind beispielsweise abhängig von Sozialen Netzwerken oder sie suchen exzessiv pornographisches Material oder beitreiben Informationsrecherche in unnatürlichem Ausmaß. Unkontrolliertes Online-Kaufverhalten, die exzessive Nutzung von Glücks- oder (Online-) Computerspielen oder die riskante Börsenspekulation können ebenfalls abhängig machen. Im Vortrag wird ein Überblick über die Formen von Internetsucht aber auch Risiko- und Schutzfaktoren der Erkrankung gegeben. Gleichzeitig werden psychotherapeutische Behandlungsstrategien vorgestellt, die in der Ambulanz für Spielsucht Mainz entwickelt wurden.